Wertpapierleihe – Ausblick für das Jahr 2026
Kurzer Rückblick
Vor einem Jahr erwarteten wir, dass 2025 im Zeichen von makroökonomischen Verschiebungen, regulatorischen Änderungen und sich wandelnden Marktstrukturen stehen würde.
Genau das ist eingetreten: Phasen erhöhter Volatilität infolge der obengenannten Faktoren, Rekordstände bei diversen Indizes – unterstützt durch Zinssenkungen und eine auf KI fokussierte Technologienachfrage – sowie eine zunehmende Divergenz in der makroökonomischen Politik.
Der Wertpapierleihemarkt konnte mit einem Gesamtumsatz von nahezu USD 15 Mrd. ein Rekordjahr verbuchen.1
Im Jahresvergleich verzeichneten nahezu alle Anlageklassen zweistellige prozentuale Umsatzzuwächse. Lediglich amerikanische Aktien waren leicht rückläufig und Unternehmensanleihen stagnierten. Ein wesentlicher Teil der Umsatzsteigerungen entfiel auf Specials, die sich in allen Märkten vom gedämpften Niveau des Jahres 2024 erholten.
Aussichten 2026
Wir rechnen auch im Jahr 2026 mit einer dynamischen Entwicklung, denn die Unsicherheiten und die makroökonomischen Divergenzen dürften weiter zunehmen. Werden unterschiedliche handelspolitische Strategien die Erträge aus der Wertpapierleihe wesentlich beeinflussen? Wahrscheinlich nicht direkt. Indirekte Effekte über Wechselkursschwankungen und die Gewinnentwicklung könnten jedoch eine direktionale Nachfrage sowie Arbitragemöglichkeiten schaffen.
Trotz anhaltend robuster Nachfrage nach erstklassigen liquiden Vermögenswerten (HQLA) im Jahr 2025, zeigte sich Druck auf die Spreads in liquideren Handelssegmenten. Dies könnte sich auch 2026 fortsetzen, sofern keine anhaltende Volatilität einsetzt oder sich die Spreads auf Cross-Currency-Basis ausweiten.
Ein weiterer Trend dürfte die zunehmende Divergenz zwischen Programmen mit sehr flexiblen Sicherheiten- und Laufzeitparametern und konservativeren Programmen sein. Die Lücke wächst weiter – Flexibilität ist der Schlüssel zu optimalen Erträgen.
Weitere zentrale Themen für 2026
Neue und aufstrebende Märkte
Die Wertpapierleihe wird sich zunehmend in neuen Märkten etablieren. Hierbei gehören insbesondere die Region APAC, Südamerika, der Nahe Osten und Afrika zu den potenziellen Wachstumsmärkten.
Weitere regulatorische Änderungen dürften zusätzliche Möglichkeiten der Wertpapierfinanzierung in Ländern schaffen, in denen die Wertpapierleihe bislang keine große Rolle spielt.
Privatanleger
Einen wesentlichen Trend im Jahr 2026 sehen wir in der weiter zunehmenden Beteiligung von Privatanlegern an der Wertpapierleihe.
Speziell entwickelte Plattformen haben den Zugang für Privatanleger erleichtert. Dadurch sind in den letzten Jahren neue, häufig spezialisierte Angebotsquellen erschlossen worden.
Die Herausforderung hier besteht darin, mit Anlegern zusammenzuarbeiten, deren Verhalten sich deutlich von dem institutioneller Investoren unterscheidet – es ist nämlich aktiver gesteuert und volatiler – und die sich in einem regulatorischen Rahmen bewegen, der auf Anlegerschutz ausgerichtet ist. Doch für diejenigen mit einem überzeugenden Angebot für diese Anlegergruppe könnten sich erhebliche Chancen bieten, da Privatanleger oft die wichtigsten Akteure bei Small- und Mid-Cap-Titeln sind, die teilweise stark nachgefragt sind.
Abwicklungseffizienz und T+1
Die EU, Großbritannien und die Schweiz haben bestätigt, dass sie ab Oktober 2027 auf einen T+1-Abwicklungszyklus umstellen. Die Aufsichtsbehörden erwarten, dass die Marktteilnehmer bis dahin startklar sind. Daher werden 2026 wohl die Entwicklung neuer Prozesse und entsprechende Systemanpassungen im Mittelpunkt stehen, um diesen engen Zeitrahmen einhalten zu können. Der Fokus wird dabei auf größtmöglicher Automatisierung und Effizienzsteigerung liegen.
Eine zentrale Herausforderung für den Wertpapierleihemarkt, der zwar selbst von den Vorschriften ausgenommen ist, aber dennoch den Antrieb für den Buy- und Sellside-Markt darstellt, wird die Abwicklung von Rückforderungen für verkaufte Positionen sein, bei denen der Verkauf erst spät am Handelstag vereinbart wird. Dies erfordert eine enge Zusammenarbeit zwischen Marktteilnehmern, Investoren und Regulierungsbehörden.
Zentrales Clearing von US-Staatsanleihen
Die Veränderungen im zentralen Clearing von US-Staatsanleihen betreffen die Wertpapierleihe zwar nicht direkt, wirken sich jedoch auf das gesamte Marktökosystem aus, und dabei insbesondere auf den Repo-Markt. Die Umstellung stellt einen einschneidenden Wandel in der Marktpraxis dar, somit ist eine reibungslose Umsetzung mit erheblichem Aufwand verbunden.
Auch wenn die Vorbereitungen weiter voranschreiten und das Vertrauen in die Bereitschaft des Marktes wächst, sind noch wichtige Fragen ungeklärt. Das Jahr 2026 dürfte durch eine verstärkte Zusammenarbeit von Regulierungsbehörden, Clearinghäusern und Arbeitsgruppen geprägt sein, um die offenen Punkte anzugehen und Best Practices zu etablieren.
Weitere Informationen zu dieser Änderung finden Sie auch in unserem aktuellen Artikel bzw. in den Fragen und Antworten zum Thema zentralen Clearing von US-Staatsanleihen – Securities Services.
Kostendruck
Mit der fortschreitenden Umsetzung von Kapitalanforderungen rücken die Kosten des regulatorischen Kapitals für einzelne Transaktionen stärker in den Fokus von Banken und Broker-Dealern. Lösungen wie Verpfändung und zentrales Clearing gewinnen daher an Bedeutung.
Gleichzeitig entstehen Innovationen zur Bewältigung regulatorischer Anforderungen in unterschiedlichen Ländern. Marktteilnehmer müssen hier mit Bedacht investieren, um ein flexibles Instrumentarium für verschiedene Gegenparteien aufzubauen.
Weiterhin drängen immer mehr Technologieanbieter auf den Markt. Angesichts begrenzter Ressourcen sowie der Notwendigkeit, sich auf die Entwicklung im Hinblick auf T+1 zu konzentrieren, sind Unternehmen nicht in der Lage, alle Anbieter einzubinden. Daher sollten sich Unternehmen auf das Return on Investment, die Effizienzsteigerungen durch den Technologieeinsatz und die effektive Einbindung der von ihnen ausgewählten Dienstleister konzentrieren.
Höhere Effizienz und Interoperabilität sind zentrale Marktanforderungen. Es ist daher unerlässlich, sich von Silostrukturen zu lösen.
Künstliche Intelligenz
Der Finanzsektor durchläuft einen tiefgreifenden Wandel durch KI und intelligente Agentensysteme, der strategische Investitionen in Human- und Finanzkapital erfordert. Auch die Wertpapierleihe ist hiervon betroffen. Bei BNP Paribas werden derzeit verschiedene Anwendungsfälle erprobt und Mitarbeitende geschult, um die Effizienz im Bereich Agency Lending und Direktverleih weiter zu steigern – selbstverständlich unter Einhaltung ethischer Standards sowie geltender Gesetze und Vorschriften zu KI.
Unsere Prioritäten bei BNP Paribas
Im Agency-Lending-Geschäft liegt unser Fokus auf dem Ausbau der Plattform. Neue Bestände werden kontinuierlich in den Markt eingebracht, um durch gezielte Investitionen optimale Erträge und einen höheren Automatisierungsgrad zu erreichen.
Zudem wird das Agency-Repo-Produkt auf neue Währungen und Märkte ausgeweitet.
Im Jahr 2026 werden sich kapitaleffiziente Handelsstrukturen wie „Pledge“ und „Pledge-Back“ weiter durchsetzen. Entsprechend intensivieren wir den Dialog mit unseren Kunden über Programmoptimierungen zur Steigerung von Performance und Effizienz.
Und schließlich wollen wir unseren Agency-Lending-Bereich als attraktiven Arbeitsplatz weiter entwickeln. Die Kompetenz unserer Mitarbeitenden ist der Schlüssel zum anhaltenden Erfolg. Wir möchten deshalb ein Arbeitsumfeld schaffen, das Zusammenarbeit, Wachstum und kontinuierliche Verbesserung gezielt fördert.
Wir sehen den Chancen des Jahres 2026 mit Zuversicht entgegen und werden weiterhin eng mit unseren Kunden in den Regionen EMEA, APAC und Amerika zusammenarbeiten, um deren Wertpapierleihe-Programme auszubauen und weiterzuentwickeln.
1 Quelle: Global Securities Finance Snapshot von S&P Global, aggregiert am 16. Januar 2026

